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„Hammer“-Erlebnislauf im Winterwunderland

Inzell, Ruhpolding, Reit im Winkl – Weiß-blauer Himmel, strahlender Sonnenschein, zapfige Temperaturen: Unter optimalen Bedingungen war die 3. Chiemgau Team Trophy am Sonntag ein voller Erfolg im oberbayerischen Winterwunderland . „Es war wunderbar, der Hammer“, sagte der wohl prominenteste Starter Richy Müller. Der Schauspieler, bekannt als Kommissar Thorsten Lannert aus dem Suttgarter Tatort, war einer von 475 Teilnehmern, die bei dem Erlebnislanglauf von Inzell über Ruhpolding nach Reit im Winkl mitmachten.

CTT-2017-(Wechselszene)-2Von Genuss konnte am Sonntagvormittag, als sich die Teilnehmer in der Max-Aicher-Arena in Inzell getroffen haben, zunächst noch keine Rede sein. Knapp zweistellig waren die Minusgrade. Die Stimmung unter den Sportlern war dagegen alles andere als frostig. Ob klassisch oder im Skating-Stil, 78 Teams gingen die 43 Kilometer lange Strecke – oder zumindest einen Teil davon – hochmotiviert an. Eilig hatten es die wenigsten. Warum auch, es gibt bewusst keine Zeitnahme bei der Chiemgau Team Trophy. „Der Genuss steht im Vordergrund und die Idee ohne Zeitnahme war ein Risiko – aber die Stimmung unter den Startern von Anfang an hat uns motiviert, weiterzumachen“, sagte Florian Weindl, Leiter der Tourist-Information von Reit im Winkl. Der Plan sei aufgegangen, wie der Event am Sonntag gezeigt habe.

CTT-2017-(Wechselszene)-4So ging es für die Langläufer auf ihren Skiern auf den bestens präparierten Loipen über den glitzernden Schnee. Die Sonne zeigte sich immer mehr und die Temperaturen näherten sich angenehm dem Nullpunkt. An den Schmankerlstationen wie dem Kur Café in Ruhpolding, der Zirmbergalm oder der Sachenbacher-Alm bildeten sich immer wieder dicke Menschentrauben. Das Motto „Zeit zum Genießen“ nahmen viele wortwörtlich. Wer nicht die kompletten 43 Kilometer bis nach Reit im Winkl laufen wollte, nutzte den Shuttlebus. Was kein „Schummeln“ sei, wie Moderator Bernd-Uwe Gutknecht im Ziel extra betonte, als Richy Müller eine kurze Busetappe einräumte. Die Chiemgau Team Trophy ist ein sportlicher Entschleunigungswettbewerb. Zwischen die vielen Freizeitsportler mischten sich auch zahlreiche ehemalige und aktive Profis: Fußball-Weltmeisterin Petra Wimbersky war ebenso am Start wie Christine Waitz, die im vergangenen Sommer mit dem „Race Around Ireland“ einen der härtesten Ultra-Radmarathons als erste deutsche Frau absolviert hat. Die Triathlon-Profis Michael Raelert, immerhin zweifacher Sieger der Ironman 70.3 Worldchampionship, Andreas Dreitz, Christian Jais und Julian Erhardt zeigten, dass auch Sommersportler einigermaßen Langlaufen können. Vier, die mit den Langlaufskiern bestens zurecktkommen, waren ebenfalls im Teilnehmerfeld: Biathletin Kathrin Lang sowie die Skilangläufer Lucas Bögl und Schirmherr Andreas Katz, der wegen seiner Schulterverletzung die gesamte Strecke ohne Stöcke gelaufen war. Außerdem tauchte auch plötzlich und unerwartet Olympiamedaillen-Gewinner Tobias Angerer auf.

CTT-2017-(Wechselszene)-6Langläufer Katz, der noch in diesem Jahr wieder in den Rennzirkus einsteigen möchte, war hellauf begeistert: „Es war auf alle Fälle perfekt, Traumschneebedingungen und alle hatten Spaß – was will man mehr?“ Angerer stimmte mit ein: „Es war traumhaft, ich muss mich bei meiner Frau bedanken, dass sie mich überredet hat, früher aus Seefeld zurückzukommen und hier zu starten.“ Auch wenn Top-Zeiten bei der Chiemgau Team Trophy keine Rolle spielen, wurden Tages-Leistungen geehrt. Das Hofbräuhaus-Traunstein-Team war mit 59 Startern das teilnehmerstärkste vor Maloja (38) und Löffler Girls & Friends (25). Die Traunsteiner brachten zudem die meisten Gesamtkilometer zusammen. Den Preis für das kreativste Team holte sich das „Himmelfahrtskommando“, vier Ministranten der Pfarrei Inzell, die in ihren Gewändern auf die Strecke gegangen sind. Im Ziel wurde dann mit Stachelbier vom Hofbräuhaus Traunstein angestoßen und in der Anlage von Wintersport-Legende Ernst Reiter der Biathlon ausprobiert.

CTT-2017-(Wechselszene)-5Ein Highlight war auch der Jubiläums-Fackellauf zu den Special Olympics Landesspielen Bayern 2017 in Hof. Die Spiele für Menschen mit geistiger Behinderung haben zehnjähriges Jubiläum. Wie bei den Olympischen Spielen wird eine Fackel vorab auf Reisen geschickt. Reit im Winkls 1. Bürgermeister Josef Heigenhauser brachte die Flamme begleitet von einer Gruppe Special-Olympics-Teilnehmern ins Ziel. Die 3. Chiemgau Team Trophy hat auch ein Zeichen gesendet, sagte ein strahlender Florian Weindl: „Wir – Inzell, Ruhpolding und Reit im Winkl zusammen – können Langlauf.“