Inzell/Ruhpolding/Reit im Winkl – „Das muss man unbedingt einmal gemacht haben“, sagte eine junge Langläuferin am Ende der 4. Chiemgau Team Trophy. Und mit dieser Meinung stand sie sicher nicht allein, denn es werden immer mehr, die bei dem Genusslanglauf von Inzell über Ruhpolding nach Reit im Winkl dabei sein wollen. 784 Teilnehmer aus 14 Ländern zählte das Feld am Sonntag. 475 finishten noch im Jahr zuvor bei der dritten Auflage.

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Am frühen Vormittag ging es in Inzell los. Das Wetter passte perfekt. Zwar nicht so sonnig, wie im vergangenen Jahr. Aber Temperaturen zunächst um den Gefrierpunkt und trocken. Die Schnee-Sicherheits-Garantie also. Ob klassisch oder Skating –  hochmotiviert setzte sich die Menge nach dem Startschuss in Bewegung. Bald zogen die Sportlerinnen und Sportler wie Kugeln an einer Perlenkette über die bestens präparierte Loipe über Ruhpolding in Richtung Reit im Winkl. An den verschiedenen Schmankerlstation, wo es Kuchen, Milchreis, Knödel oder den eigens vom Ruhpoldinger Kur Café kreierten Müsliriegel „Loipenfutter“, aber auch Stachelbier, Petrusquellen-Schorlen und Tee von Bioteaque gab, bildeten sich große Grüppchen. Wer wollte, jagte die 42 Kilometer durch. Wer es entspannter angehen wollte, pausierte etwas oder nahm den Shuttle-Bus in Anspruch. Eine Zeitnahme gibt es bewusst nicht.  „Am Anfang sind wir schon kritisiert worden, dass wir keine Zeitnahme haben – und jetzt wächst und wächst es und das macht uns schon stolz, dass wir da den Zeitgeist in irgendeiner Weise getroffen haben“, sagt Florian Weindl, Leiter der Tourist-Information von Reit im Winkl.

CHiTT18 - Annika Zimmermann, Georg Holzner  und Andreas Mühlberg [Bild Roland Hindl]Chiemgau-Tourismus-Chef Stephan Semmelmayr stimmte da mit ein: „Wenn mir jemand vor drei, vier Jahren gesagt hätte, dass wir einen Anmelde-Stopp einlegen müssen, weil das Teilnehmerfeld sonst zu groß wird, hätte ich gesagt, das ist unmöglich.“ Das Lächeln, das allen Teilnehmer an allen Punkten der etwa 42 Kilometer langen Strecke ins Gesicht geschrieben stand, sprach allerdings Bände. „Das Wichtige bei uns im Chiemgau ist der Genuss, die Geselligkeit, das Griabige – und das zeichnet die Chiemgau Team Trophy aus“, so Semmelmayr weiter. Ein Konzept, das auch ZDF-Moderatorin Annika Zimmermann überzeugt hatte, obwohl sie zuvor nie auf Skatingskiern gestanden war. Andreas Mühlberg von Sport Dorner in Inzell zeigte ihr am Samstag noch die Grundlagen des Skating, keine 24 Stunden später hatte sie die Gesamtstrecke gemeistert. „Das ist schon sehr gut gemacht: Ich konnte von Schmankerlstation zu Schmankerlstation laufen – und dann ging das schon“, sagte sie sichtlich glücklich im Ziel, das sie auch dank der Unterstützung des Teilnehmers Georg Holzer erreicht hat, der sie das letzte Stück begleitet hatte Auch andere (Sport-)Prominenz war begeistert: „Das ist ein so schönes Event“, sagte Michael Raelert, Triathlon-Europameister auf der Mitteldistanz. „Das war heute wieder top“, stimmte das ehemalige Skilanglauf-Ass Tobias Angerer ein, der ebenso begeistert war wie die beiden Biathlon-Legenden Fritz Fischer und Herbert Fritzenwenger. „Super Bedingungen“, sagte auch der mehrfache Paralympics-Medaillen-Gewinner Gerd Schönfelder. Langlauf-Trainer Hans Reiter sorgte für das meiste Aufsehen: Mit den Skiern, mit denen sein Vater 1952 bei einem Rennen mitgemacht hatte, bewältigte er die 42 Kilometer.

Der bewegendste Moment der Veranstaltung aber war, als das „Dominik und Michi Gedächtnisteam“ im Kollektiv im Stadion in Reit im Winkl eingelaufen kam. Zwei ihrer Freunde waren Anfang des Jahres bei einem Lawinenunglück ums Leben gekommen. „Sie sind mit uns mitgelaufen“, sagte das Team im Ziel.  Sie erhielten später den Team-Preis.

Alle Athleten haben gemeinsam 31.743,5 Kilometer zurückgelegt. Die meisten Teilnehmer brachte das Team Hofbräuhaus Traunstein mit 64 Finishern auf die Strecke. „Nächstes Jahr machen wir einfach so weiter“, gab Schirmherrin Kathrin Lang als Ziel für 2019 aus.